stillen

Vorab eine wichtige Info: Jeder Frau ist selbst überlassen ob und wie lange sie ihr Baby oder Kleinkind stillen möchte. Es ist eine der persönlichsten Entscheidungen egal wie der eigene Weg aussieht.

Bedeutung und Vorteile des Stillens:

Vermutlich denkt ihr sofort an die Nahrungsaufnahme – genau, denn Muttermilch ist die natürliche Form der Säuglingsnahrung, sie ist genau auf den Nährstoffgehalt, die Abwehrlage und das Wachstum jedes Kindes abgestimmt und fördert eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung des Kindes.

Muttermilch ist unnachahmlich, denn sie enthält eine ganze Fülle an Nährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen, Enzymen und Hormonen sowie Schutz-und Abwehrstoffe in optimaler Menge und Zusammensetzung.

Muttermilch ist immer dabei, richtig temperiert und keimfrei. Es entsteht zudem kein Verpackungsmüll. Sie ist leicht verdaulich und leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit. Gestillte Kinder haben zudem weniger Verdauungsstörungen als mit Pulvermilch ernährte Säuglinge. Die Abwehrstoffe fördern einen Schutz vor Infektionen im Bereich der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes, außerdem verringert sie das Allergierisiko.

Das Stillen fördert die Mutter-Kind-Beziehung. Es dient nicht nur der Nahrungsaufnahme sondern vermittelt durch den Körperkontakt es Kind auch das Gefühl von Wärme, Geborgenheit und Sicherheit.

Das Kind kann sich entspannen, es holt sich Nähe und Zuwendung – dieser innige Kontakt liegt bei etwa 600 Stunden im ersten halben Jahr. Wahnsinnig schön oder?

Stillen bietet noch einige andere Vorteile wie zum Beispiel die Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt, diese verläuft schneller und besser.

Tipps für einen guten Stillstart

Stillen ist zwar die natürliche Form der Säuglingsnahrung – und doch muss es in den ersten Tagen erlernt werden.

  • Lege dein Baby so früh wie möglich nach der Geburt zum ersten Mal an, idealerweise gleich im Kreißsaal. Im Idealfall beginnt eine gute Stillbeziehung unmittelbar nach der Geburt. (Es gibt übrigens extra ausgewiesene „stillfreundliche Krankenhäuser“)
  • Stille dein Baby nach Bedarf, wann immer es will und mache es nicht abhängig von der Uhr. Denn Nachfrage regelt das Angebot. Die Zeitabstände können stark variieren. Bedenke bitte, dass es wie bereits erwähnt nicht nur Nahrungsaufnahme bedeutet, sondern auch Sicherheit usw.
  • Stille dein Kind in den ersten Lebenswochen mindestens acht bis 12 Mal in 24 Stunden. So sorgst du für eine optimale Versorgung und Milchbildung.
  • Achte auf die korrekte Art und Weise dein Kind anzulegen. Hinterkopf und Rücken sollten eine gerade Linie bilden, Ober- und Unterlippe sind ausgestülpt. Das Baby sollte möglichst viel von der Brustwarze fassen. Das korrekte Anlegen vermeidet Schmerzen. Falls du unsicher bist helfe ich dir gerne weiter sobald ich meine Ausbildung zur Stillberaterin abgeschlossen habe.
  • Wachstumsphasen – keine Panik! Das Baby zeigt plötzlich ungewohnt oft die Signale zum stillen und will gefühlt permanent trinken? Das ist völlig normal. Diese Wachstumsschübe kommen in bestimmten Abständen. Lege dein Kind in diesen Phasen ruhig häufiger an, damit sich die Milchproduktion dem Mehrbedarf anpassen kann. Dein Baby weiß schließlich ganz genau was es braucht 🙂
  • Achte auf dich selbst! Stillen ist vor allem in den ersten Wochen Hochleistungssport und deshalb solltest du fit sein. Iss und trinke genügend. Es gibt Mythen, dass man bestimmte Nahrungsmittel nicht essen sollte – es ist alles erlaubt was schmeckt. (Ich rede aber von Nahrungsmitteln und nicht von Alkohol, Drogen und Co.)
  • Binde deinen Partner mit ein. Er kann vielen übernehmen wie den Einkauf, die Wäsche, wickeln und er darf auch ganz oft erwähnen wie toll du das machst und dankbar sein, dass er nachts nicht raus muss. (Hier gibt es einen tollen Spruch: wir teilen uns die Aufgaben, sie stillt weil ich nicht kann und ich schlafe weil sie nicht kann) Gemein aber trifft zu 🙂 haltet durch ihr Lieben!
  • Ruhe! Gönne dir Entspannung – im Wochenbett noch umso wichtiger. Komme beim stillen zur Ruhe, verkrampfe dich nicht. Schlafe wann immer du die Möglichkeit hast. Nimm Hilfe an und lehne Besuch ab wenn es dir danach ist.

Jeder Tag stillen lohnt sich – für dein Kind und dich!

Hier noch ein paar Mythen zum Thema stillen:

Große Brüste sind besser zum stillen geeignet als Kleine? Falsch – egal ob groß oder klein: Jede Brust ist grundsätzlich zum Stillen geeignet und in der Lage, genau die Menge an Milch zu produzieren, welche das Baby benötigt.

Der Mindestabstand beim Stillen beträgt zwei Stunden, sonst bekommt das Baby Bauchschmerzen? Falsch – mal ganz ehrlich, wie oft bekommst du Bauchschmerzen wenn du nach dem Mittagessen noch einen Nachtisch zu dir nimmst oder wenn du nach dem Abendessen noch Lust auf einen kleinen Snack bekommst? Oder nach dem Frühstück nach Ankunft im Büro einen Kaffee trinkst und vielleicht einen Keks isst? Das Gerücht, dass beim Stillen ein Mindestabstand einzuhalten ist, hält sich leider bis heut immer noch hartnäckig – doch es gibt keinen Beleg dafür, der diesen Mindestabstand bestätigt. Von daher – sollte dein Baby nach der Stillmahlzeit noch einen Nachschlag verlangen, dann zögere nicht, du richtest damit definitiv keinen Schaden an.

Wenn Babys am Tag besonders häufig trinken, sind die Brüste abends leer und können keine Milch mehr bilden? Falsch – jede Brust ist in der Lage, jederzeit neue Milch zu bilden und zwar immer dann wenn das Baby daran saugt und damit seine Bestellung aufgibt. Dennoch liegt es in der Natur, dass sehr viele Babys abends unruhig werden und in den Abendstunden besonders häufig an die Brust wollen. Mit dem so genannten „Clusterfeeding“ rüsten sich die Babys für die Nacht und nutzen die Brust als Entspannungsort, um die vielen verwirrenden Eindrücke eines langen Tages zu verarbeiten.

Wer nachts zu oft stillt hindert sein Kind am Durchschlafen. Falsch – auch, wenn es von der Idee her sicherlich praktisch wäre. Der Sättigungsgrad eines Babys und sein Schlafverhalten haben nur sehr wenig miteinander zu tun. Stattdessen ist das beliebte „Durchschlafen“ ein Prozess der Reifeentwicklung des Gehirns, des jedes Baby irgendwann abgeschlossen hat, sobald es dazu bereit ist. Vor allem in den ersten Wochen sind nächtliche Stillmahlzeiten deshalb so wichtig, weil die Mutter nachts mehr vom für die Milchproduktion zuständigen Hormon Polaktin ausschüttet und die Milchbildung damit besonders gut anregt. Stille deshalb dein Kind auch nachts, so oft es danach verlangt (oder du das Bedürfnis hast zu stillen – schmerzende volle Brüste helfen keinem – in diesem Fall lege dein Kind an auch wenn es seelenruhig schläft)

Wenn die Milch nicht reicht, musst die Mutter möglichst viel Stilltee trinken. Falsch – Grundsätzlich sollte jede Mutter darauf achten, immer dann etwas zu trinken wenn sie Durst hat oder noch besser schon davor – idealerweise mindestens zwei Liter am Tag. Der Grund dafür ist jedoch nicht, weil sie sonst nicht genügend Milch bilden kann, sondern um selbst nicht auf der Strecke zu bleiben. Einen Einfluss auf die Menge der gebildeten Milch hat die eigene Trinkmenge jedoch nicht. Wichtiger ist es zur optimalen Milchbildung dein Baby häufig und korrekt anzulegen.

Stillende Mütter dürfen keine Medikamente einnehmen wenn sie krank sind – denn damit schaden sie dem Baby. Falsch – auch, wenn die Beipackzettel oft etwas anderes vermuten lasen. Es gibt sehr viele Medikamente welche stillverträglich sind. Trifft dies auf ein bestimmtes Präparat nicht zu, kann der Arzt in den allermeisten Fällen stillfreundliche Alternativen anbieten. Weitere Infos gibt es unter www.embryotox.de

Wenn es draußen sehr heiß ist, reicht die Milch alleine nicht aus. Stillbabys sollten zusätzlich Tee oder Wasser bekommen. Falsch – Auch an heißen Sommertagen ist Muttermilch für dein Baby der perfekte Durstlöscher – denn sie besteht zu 85% aus Wasser. Hat dein Baby an heißen Tagen mehr Durst, so wird es sich aus diesem Grund einfach öfter melden und mehr stillen wollen.

Stillende Mütter dürfen keinen Sport treiben, denn das macht die Milch sauer. Falsch – du hast Lust auf Sport? Worauf wartest du noch? Solltest du sehr intensiv trainieren, könnte es lediglich zur Folge haben, dass sich der Geschmack der Milch leicht verändert. Deinem Baby wird das jedoch völlig egal sein.

Wer stillt muss doppelt so viel essen – sonst ist die Milch nicht fettreich genug. Falsch – beim Essen gilt das Gleiche wie beim Trinken: Stillen ist vor allem am Anfang anstrengend, deswegen solltest du nicht vergessen auf dich selbst zu achten. Aber wer dauerhaft doppelte Portionen verschlingt, beeinflusst damit nicht den Fettgehalt der Muttermilch sondern lediglich den Fettgehalt der eigenen Hüften. Als Richtwert gilt, dass stillende Mütter einen Mehrbedarf von 200 – 500 kcal pro Tag haben. Das entspricht in etwa einem großzügig belegten Brötchen.

Stillen ist nur in den ersten Lebensmonaten sinnvoll, danach schadet man seinem Kind. Falsch – Egal ob dein Baby sechs Wochen, sechs Monate oder zwei Jahre alt ist: Vom Stillen wird es jederzeit profitieren. Mit rund 70 Kalorien pro 100 Milliliter ist Muttermilch nicht nur ausgesprochen nahrhaft – die in der Milch enthaltenen Antikörper bieten deinem Kind jederzeit einen wertvollen Schutz vor verschiedenen Krankheiten.

Stillkinder dürfen auch mal tagelang keinen Stuhlgang haben – das ist ganz normal. Falsch – „ob einmal in 14 Tagen oder 14 Mal am Tag“ – nahezu jede stillende Mutter hat diesen Spruch in Bezug auf die Stuhlganggewohnheiten ihres Babys schon gehört. Diese Aussage stimmt jedoch nur bedingt. Statt dessen sollten Stillkinder in den ersten vier bis sechs Lebenswochen mindestens einmal, besser sogar mehrmals täglich Stuhlgang haben – denn dies ist ein Zeichen für gutes Gedeihen. Erst danach ist es in Ordnung, wenn der Stuhlgang auch mal ein paar Tage Pause macht, ohne dass dies deinem Kind schadet. Wichtiger Tipp von erfahrenen Müttern: Trifft dies auf dein Baby zu, verlasse niemals das Haus ohne ausreichend Wechselkleidung – du könntest es bitter bereuen.

Wenn Babys abends eine sehr reichhaltige Mahlzeit bekommen, schlafen sie besonders lange. Falsch – Stelle dir vor, du gehst abends zum Griechen essen. Du bestellst die Olympiaplatte mit fünf verschiedenen fettigen Stücken Fleisch und noch einer riesigen Portion Pommes dazu. Schläfst du danach besonders gut, lange und tief? Vermutlich eher nicht. Wenn Babys nachts wach werden, ist der Grund dafür nicht, weil sie ausgehungert sind, sondern weil sie sich davon überzeugen wollen, dass sie in Sicherheit sind. Werden sie dann gestillt, finden sie ganz schnell wieder in den Schlaf zurück.

Quelle: www.afs-stillen.de